Wissensliteratur der frühen Neuzeit – Interdisziplinäre Kommentierung

Ziel des Projekts sind die kritische Edition sowie der ausführliche Kommentar der von Johann Fischart unter dem Titel Daemonomania Magorum (1581, 1586, 1591) übersetzten und erweiterten Démonomanie des sorciers (Erstausgabe 1580) des französischen Juristen und Staatstheoretikers Jean Bodin. Die Edition wird mit dem Programm „Classical Text Editor“ erstellt und bildet die Grundlage für den darauf aufbauenden Kommentar. Edition und Kommentar sollen als neunter Band der historisch-kritischen Ausgabe der Werke Johann Fischarts im Rahmen der Berliner Ausgabe (hg. v. Ulrich Seelbach, Hans-Gert Roloff und Tobias Bulang) erscheinen. Damit wird einerseits die Werkreihe eines Autors, der neben eigenen Texten überwiegend Übersetzungen und Bearbeitungen französischer, lateinischer und niederländischer Werke unterschiedlicher Provenienz erstellte, weiter vervollständigt. Andererseits wird damit aber auch eine frühneuzeitliche Dämonologie ediert und erstmals kritisch kommentiert. Die Démonomanie des sorciers ist ein zentrales Werk gelehrter Hexenliteratur und versammelt in enzyklopädischem Ausmaße antike und mittelalterliche Überlieferungen, zeitgenössische Prozessberichte und weite Felder wissensvermittelnder Literatur der Antike, des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Vor diesem Hintergrund definiert das Werk den Hexenbegriff umfassend, behandelt verschiedene Zaubereidelikte und Maßnahmen dagegen, widmet sich ausgiebig juristischen Verfahrensfragen von Malefizprozessen und argumentiert gegen die zeitgenössische medizinische Relativierung des Hexenwahns durch Johann Weyer. Historiographisches, theologisches, philosophisches, medizinisches und nicht zuletzt rechtliches Wissen ist für diesen Text konstitutiv. In der interessengeleiteten, mit umfassenden Erweiterungen versehenen deutschen Übertragung erfolgen kulturelle Transformationen und signifikante konfessionelle Anpassungen. Fischarts Text ist insofern Dokument transkultureller und zwischen verschiedenen Wissensfeldern operierender Transformationsprozesse im frühneuzeitlichen Europa, jedoch als solches bislang kaum gewürdigt worden. Der interdisziplinären Herausforderung, welche frühneuzeitliche Wissensliteratur bereithält, soll in diesem Projekt auf innovative und maßstabsetzende Weise begegnet werden.